Grand Central Terminal in Manhattan, NYC

Der wohl schönste Bahnhof der Welt steht mitten in New York City

06.10.2009 Jürgen Kadel

Wer Bahnhöfe kennt, denkt an Tristesse, zugige Kälte und Dreck. Also schnell wieder weg! Nicht so in New York, die Grand Central Station lädt zum Verweilen und Staunen.

Hier in Midtown, NY ist immer Hektik. Doch gerade hier findet man ein Kleinod des Jugendstils, versteckt zwischen den Hochhäusern. Das Grand Central Terminal wurde 1913 gebaut, ein Bahnhof, der der aufstrebenden City gerecht wird, musste her, den alten Bahnhof ersetzen. Allein 2,5 Millionen Kubikmeter Erde wurden bewegt, rund 25 km Schienen neu gelegt und man hat 18.000 Tonnen Stahl verbaut. So entstand unter der Planung der Architekten Warren & Wetmore und Reed & Stern ein gewaltiges Gebäude im Jugendstil. New York hatte ein neues Aushängeschild.

Ein neuer Bahnhof für ein neues New York

Schon 1871 entstand hier der erste Bahnhof New Yorks, das Grand Central Depot. Es hatte die Form eines L, und war für die damalige Zeit hochmodern. Angehobene Bahnsteige machten ein bequemes Reisen möglich und die gesamte Gleisanlage war mit einer Kuppel überdacht.

Zwischen 1899 und 1900 wurde der Bahnhof komplett umgestaltet, man machte aus den drei geschossen sechs Stockwerke und gab dem Gebäude eine neue Fassade. Ab 1900 wurde der Bahnhof umbenannt in Grand Central Station, so wird er auch heute noch häufig genannt.

Das Grand Central Terminal entsteht

Richtig erneuert wurde dann endgültig zwischen 1903 und 1913, abschnittsweise abgerissen und völlig neu erstellt. Es entstand ein Bahnhof, der größer ist als das Hauptschiff von Notre Dame in Paris. Ein Tempel für Jugendstilanhänger. Von außen sicher unscheinbar zwischen der Übermacht der Wolkenkratzer, aber beim Betreten öffnet sich eine Kathedrale. Über den bis zu 25 Meter hohen Fenstern wölbt sich die bemalte Decke. Das Gewölbe zeigt den Sternenhimmel im Winter. Die Füße des Besuchers gleiten über glatten Marmor. Kein herkömmlicher Bahnhof, man fühlt sich wie im Museum. Durch das Eingangsportal ist man in eine andere Zeit getreten.

Geht man um den Block an der 42ten Straße und Park Avenue, ist man verwundert. Keine Gleise zu sehen, keine Züge. Alles läuft unterirdisch zusammen, 67 Gleise enden hier auf zwei Etagen, 44 Bahnsteige stehen dem Reisenden zur Verfügung. Voll elektrifiziert wurden die Gleise bereits 1913, auch wenn man manchmal den Geruch der Dampflokomotiven verspüren mag.

Fast zerstört

1968 kamen Pläne auf, das Gebäude zu beseitigen und weitere Hochhäuser zu errichten. Das sollte mehr Geld einbringen. So stand das Überleben des Terminals lange auf der Kippe. Erst 1978 entschieden US Richter über den Schutz der Sehenswürdigkeit. Danach renoviert, wird der Bahnhof im Herzen Manhattans heute von mehr als einer halben Million Menschen täglich besucht. Und das, obwohl heute hier nur noch Vorortzüge verkehren. Fernverkehr gibt es seit 1991 keinen mehr hier.

Ein Bahnhof zum Verweilen

Wenn man die heiligen Hallen betritt, denkt man an Alles. Nur nicht, dass man sich in einem Bahnhof befindet. Marmor, kunstvolle Gestaltung, warm und sauber. Nur bei näherem Hinsehen bemerkt man die Anzeigetafeln und Schalter. Zu den Gleisen geht man durch kleine Türen. Hier ist immer etwas los, die Stadt lebt hier drinnen weiter. Hier wartet man gerne etwas länger, es gibt so viel zu entdecken.

Die Gourmetmeile

Im Bahnhof erwartet man Hamburger, Currywurst und schlabbrige Brötchen. Begibt man sich aber hier in das Untergeschoss steht man vor der Wahl. Alleine 21 verschiedene Cafés, Diner und andere Spezialitätenanbieter stehen hier zur Verfügung. Hier gibt es fast alles, die Wahl fällt schwer. Auf dem Balkon in der Haupthalle warten feine Restaurants auf den hungrigen Feinschmecker. Auf dem Grand Central Market findet man Spezialitäten aus aller Welt. Dutzende Läden rundum lassen das Shoppingherz pulsieren. So hat wohl schon mancher Reisende seinen Zug verpasst. Ständig wechselnde Veranstaltungen, wie ein Weihnachtsmarkt runden das Bild ab.

Führungen durch das Grand Central Terminal

Für Insider empfiehlt sich, an einer Führung teilzunehmen. Die Municipal Art Society bietet immer Mittwochs eine Besichtigungstour an. Eine andere Tour veranstaltet immer Freitags die Grand Central Partnership Organisation. Vielleicht hat ja man ja zum Empfang in Manhattan auch einen ganz persönlichen Führer dabei, einen der über vierhundert Big Apple Greeter. Auch er wird gerne hierher kommen und alles zeigen. Denn die New Yorker sind stolz auf ihren ganz besonderen Bahnhof.

Wer Manhattan besucht, der sollte auch unbedingt einen Besuch des Grand Central Terminal einplanen. Ein Besuch von Midtown ohne den Bahnhof zu besuchen, ist fast undenkbar. Er ist auch ein hervorragender Ort zum Entspannen. Obwohl so viel los ist, hier findet man auch immer ein Plätzchen, um einen Kaffee zu trinken oder etwas zu essen. Ganz gepflegt und voller Stil, mitten im Herzen der Stadt.

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